Über uns

Wir alle sind aus den gleichen Gründen bei Recht auf Stadt. Wir denken, reden und planen zusammen, weil es große Probleme gibt, die aber nicht nur uns hier, sondern noch viele andere Menschen betreffen. Wir haben größtenteils am eigenen Leibe erfahren, dass sich die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt drastisch verändert haben. Egal ob es Modernisierungsstau, gravierende und ungerechte Mieterhöhungen, willkürliche Nebenkostenabrechnungen oder schlichtweg mangelhafte Mietverhältnisse sind, die uns betreffen.

Zu bemerken, dass die „eigenen vier Wände“ nicht mehr selbstverständlich sind, dass die eigene Wohnung zu einer Ware geworden ist, dass man der Willkür seines Vermieters oder der Behörden ausgeliefert ist, dass man einen erheblichen Teil seines Einkommens für das Dach über dem eigenen Kopf ausgeben muss und dass man mit seinen Beschwerden weder vom Vermieter noch von Behörden und Politik ernst genommen wird, gibt ein Gefühl von Machtlosigkeit.

Ein Dach über dem Kopf ist ein elementares menschliches Grundbedürfnis. Es ist deshalb auch ein Menschenrecht. Hinter dem Begriff „Dach über dem Kopf“ steht aber mehr als bloß irgendein Gebäude, das vor Wetter schützt. Menschen wollen sich aussuchen, oder zumindest beeinflussen können, wo sie leben. Wo sie ihre Kinder großziehen. Wie ihre Wohngegend ausgestattet und vernetzt ist. Wo sie einkaufen und zum Arzt gehen können. Wo sie an Kultur und Freizeitangeboten teilhaben können, und sich erholen können. Wo ihre Freunde und Liebsten wohnen. Wo sie gern sind.

Obwohl wir in einem der wohlhabendsten Länder der Welt leben, ist das alles aber nicht mehr selbstverständlich, und wird für viele sogar immer mehr zur Ausnahme. Insbesondere in Großstädten werden Wohnungen immer teurer. Die Mieten steigen dank findiger Tricks der Vermieter und einer sie begünstigenden Gesetzgebung in rasantem Tempo, und kein Ende ist in Sicht. Menschen verlieren ihre Wohnung, weil sie sich nicht mehr leisten können. Sie bekommen den Strom abgestellt, wenn sie die Stromrechnung nicht mehr zahlen können. Oder sie werden zwangsgeräumt. Für viele Menschen hat das gravierende Folgen.

Dabei hat die Verdrängung der Mieterinnen und Mieter System. Das ist kein weltweiter jahrelanger Zufall. Wohnraum ist genug vorhanden, aber aus Sicht der Wohnungskonzerne wohnen die falschen Menschen darin. Es gab mal mehr öffentlich geförderten Wohnraum. Es gab auch mal kleinere und regionale Wohnungsbaugesellschaften. Die geförderten Wohnungen wurden aber der Wirtschaft angeboten, die bekanntlich in den seltensten Fällen wohltätige oder gemeinnützige Zwecke verfolgt. Auch die kleineren Wohnungsgesellschaften werden immer mehr von Konzernen, Banken und Investoren aufgekauft. Auch Wohnraum muss in kapitalistischen Gesellschaften in erster Linie Profit bringen, und dafür müssen die Wohnungen so modernisiert und saniert werden, dass man dafür eine höhere Miete verlangen darf. Dass aber die Mieterinnen und Mieter sich diese Miete dann nicht mehr leisten können, ist den Vermietern egal, solange sie der nächste Mieter bezahlen kann.

Zu allem Überfluss kommen dann noch Rechtspopulisten daher, und wollen den Wohnungsmangel „Migranten und Geflüchteten“ in die Schuhe schieben, wobei die Probleme schon weit vor 2015 absehbar waren und auch existierten. Sie wollen aus den Sorgen und Nöten der Mieter jedoch nur Fremdenhass schüren, um davon in Form von Wählerstimmen profitieren zu können und Macht zu gewinnen. Die Bedürfnisse der Menschen sind ihnen egal.

Der Wohnungsmangel spaltet die Gesellschaft also auf verschiedene Weisen. Ausgrenzung ist für viele Menschen Alltag. Die gefühlte Unsicherheit wird immer sichtbarer. Die Machtlosigkeit wird immer greifbarer. Das zeigt, dass wir ein umfassendes gesellschaftliches Problem haben, und wir sind mitten drin. Es ist höchste Zeit etwas dagegen zu tun. Es ist wichtig, was wir tun.

Viele Menschen haben nicht die Ressourcen, Kraft oder Entschlossenheit, sich den aktuellen Entwicklungen zu widersetzen. Viele haben auch vergessen, dass man selber etwas tun kann. Zu aussichtslos scheint die Lage, und die meisten hören auf, bevor sie angefangen haben. Dabei ist es doch eigentlich nicht schwer einen Anfang zu machen, und die ersten  Erfolge sind für jede und jeden sofort fühlbar.

„Allein machen sie dich ein!“ heißt ein berühmtes Zitat der Rockband „Ton Steine Scherben“. Also entledigen wir uns der Macht- und Hilflosigkeit, indem wir füreinander da sind! Indem wir einander Mut machen, machen wir auch anderen Mut. Wenn wir uns hilflos fühlen, helfen wir uns. Wir werden merken, dass wir die Mehrheit sind. Es gibt richtig viele Menschen mit den gleichen Problemen. Zeigen wir den Menschen, dass sie der Gesellschaft nicht egal sind. Zeigen wir, dass wir nicht hilflos sind. Unsere Aufgaben sind groß, und können nur in kleinen Schritten angegangen werden. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung ist jedoch ein Fortschritt, und diesen müssen und werden wir alle zusammen selbst gestalten.

Die ersten Schritte haben wir schon getan. Lasst uns zusammen die nächsten Schritte tun, und unser Recht auf Stadt einfordern!